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Wenn der Kick beim Klick süchtig macht
Surfen Sie noch oder sind Sie schon süchtig? Seit es das Web zum Pauschalpreis gibt, ist mancher Internet-Nutzer offenbar gar nicht mehr zu bremsen: Zwischen Einloggen ins Netz und "Verbindung trennen" können im Extremfall Tage liegen. Alles andere - Essen, Schlafen, Arbeiten - ist vergessen.
Früher hat es bei vielen Netz-Süchtigen noch Klick gemacht, als die erste überhöhte Telefonrechnung ins Haus flatterte. Wer jedoch mit Flatrate zu einer monatlichen Pauschale ins Netz geht, tappt auch bei extremem Surfens nicht in die Kostenfalle. Auf bis zu 500.000 schätzen Experten die Zahl der Internet-Abhängigen, die täglich mehr als fünf Stunden surfen.
Wer ist betroffen?
Aber keine Angst: Längst nicht jeder, der sich einen Flatrate-Zugang zulegt, wird süchtig. Rund vier Prozent aller Surfer legen Suchtverhalten an den Tag, sagt Oliver Seemann, Leiter der Münchner Internet-Ambulanz. Diese Anlaufstelle für Klick-Süchtige gibt es bereits seit fünf Jahren. Zwei Altersgruppen sind besonders anfällig: Die 18- bis 20-Jährigen, weil sie sich vom Elternhaus wegklicken. Und die rund 40-Jährigen, die den grauen Familienalltag vergessen wollen.
Unkompliziert, aber oberflächlich
Was führt dazu, dass man sich mehr ins Netz verstrickt als einem gut tut? Dass man im Extremfall kaum mehr isst, nicht mehr zur Arbeit geht und sich insgeheim freut, wenn die Kündigung ins Haus flattert? "Viele Patienten leiden an der Illusion menschlicher Nähe", sagt Seemann - obwohl der Chat-Partner auch nur irgendwo auf der Welt vor dem Rechner sitzt und oft in seine Tastatur fantasiert. Die Süchtigen fasziniert, wie schnell und unkompliziert Kontakte zustande kommen. Und das, obwohl sie kaum etwas von sich preisgeben.
Suchtpotenzial des Zeitungslesens
Die Internet-Sucht ist schon fast so alt wie das Netz, die Süchtigen selbst aber stehen am vorläufigen Ende einer viel älteren Tradition. Ihre Vorgänger: Fernseh- und Zeitungssüchtige. Als unersättlich galten Leser im 17. Jahrhundert. Und als höchst suchtgefährdet. "Unnütz, ja sogar schädlich" sei Zeitungslesen für Privatpersonen, stellte der Jurist und Erbauungsschriftsteller Ahasver Fritsch damals fest. Er forderte Zwangstherapie durch Abschreckung. Die Drohung: Todesstrafe.
Diagnose und Therapie
Immer, wenn ein neues Medium aufkommt, macht sich unter Gelehrten also eine Alarmstimmung breit. Und da ist Suchtgefahr ein beliebtes Argument. Dabei spricht der Fachmann beim "Internetabhängigkeitssyndrom" gar nicht von einer Sucht - sondern von einem zwanghaften Verhalten. Die Therapie für Web-Junkies: Sie schließen einen Vertrag mit ihrem Psychologen oder Psychotherapeuten. Darin verpflichten sie sich, bei der Online-Zeit schrittweise abzuspecken.
Sind Sie Netz-süchtig?
Die Münchner Internet-Ambulanz hat sechs Test-Kriterien veröffentlicht. Treten mindestens fünf davon mindestens einen Monat lang bei Ihnen auf, sind Sie möglicherweise Netz-süchtig.
Sie spüren eine Art Zwang, das Internet zu benutzen.
Sie verlieren die Kontrolle über die Online-Zeit.
Wenn Sie auf das Netz verzichten, werden sie nervös oder unruhig.
Sie haben weniger soziale Kontakte als zu Zeiten, in denen sie seltener oder noch nicht online waren.
Seit Sie so viel surfen, haben Sie Probleme mit Ihrem Partner oder in Schule und Arbeit.
Sie wissen, dass Ihr Surfverhalten Ihnen nicht gut tut, machen aber trotzdem weiter.
Hilfe für Internet-Süchtige verspricht die Selbsthilfegruppe ONLINE-SUCHT.DE - natürlich auch im Netz: www.online-sucht.de
Quelle: Computermagazin, sonntags, 15.35 und 20.35 Uhr in B5 aktuell
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